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Exkursion ins Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen

Was sind typische Assoziationen vieler Deutschen, wenn man sie nach der DDR fragt?

Wahrscheinlich denken einige an das Sandmännchen, die lustigen Jungpioniere der FDJ oder an Trabbis.

Die Führung durch das ehemalige Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen zeigte uns jedoch eine ganz neue, andere Sichtweise.

Nach unserer Ankunft sahen wir einen 30-minütigen Einführungsfilm, der uns schon ein bisschen auf die Thematik eingestimmt hat.

Dann ging die Führung los. Im so genannten „U-Boot“ machte sich ein beklemmendes Gefühl breit. Dieses Gebäude wurde so genannt, weil dort kein Tageslicht hingelangt. Wir sahen die Einzel- und Gemeinschaftszellen, in denen Menschen unter unwürdigen Bedingungen untergebracht wurden. Eine Einzelzelle war z.B. gerade so groß, dass ein Bett hineinpasste (Bett ist wohl übertrieben – es handelte sich um Holzpritschen, ohne Bettwäsche, ohne Unterlage). Weiterhin gab es dort regelrechte Folterzellen. In den Kälte-/ bzw. Hitzezellen wurde die Temperatur so reguliert, dass es kaum auszuhalten war. In den Wasserzellen wurden Menschen teilweise tagelang gequält – nackt in einem nassen, engen, mit Gummi ausgekleideten Raum mussten sie stehen und alle paar Minuten tropfte ihnen Wasser auf den Kopf. Die Stehzelle verdient noch nicht mal die Bezeichnung „Raum“, denn sie war gerade so groß, dass ein Mensch stehend darin Platz fand.

Man muss aber wissen, dass das „U-Boot“ noch aus der Zeit der sowjetischen Besatzung bis 1960 stammt und somit ein Teil der „alten“ DDR war. Es bestand als Stasi-Gefängnis noch in der Zeit zwischen der Gründung der DDR und dem Abzug der sowjetischen Besatzung.

Nach dem „U-Boot“ gingen wir durch den Neubau. Dort befanden sich viele weitere Zellen, im Gegensatz zu den vorher gesehenen schon „besser“ ausgestattet. Jedoch wurden die Insassen dort auf anderweitige Art und Weise gequält. Da sich in diesem Gebäude auch die vielzähligen Büros und Verhörräume befanden, lief das dort vor allem auch über die psychologische Schiene. So wurde uns beispielsweise erzählt, dass die Häftlinge dort strengstens bewacht wurden. Sie durften nicht miteinander kommunizieren, im Bett nur in einer bestimmten Position schlafen und sich tagsüber gar nicht auf das Bett setzen. Kontakt zur Außenwelt gab es nicht. Bei den Verhören wurde auf verschiedenste Weise versucht, Informationen oder gezwungene Geständnisse aus den Insassen heraus zu bekommen. Teilweise wurden sie jahrelang gefangen gehalten, ohne eine Aussicht, wie lange ihre Haft noch gehen würde.

Das soll als kleiner Einblick reichen.

Uns ist durch diese Exkursion bewusst geworden, dass früher nicht „alles besser war“, sondern dass die DDR auch ihre Schattenseiten hatte. Wer voll im „Ostalgie-Fieber“ schwebt und sich die alten Zeiten zurück wünscht, der sollte sich vielleicht mal die Frage stellen, ob es denn wirklich wünschenswert wäre, dass man sich überlegen muss, was man sagt. Dass man keinem richtig vertrauen kann – er könnte schließlich Stasi-Spitzel sein und einen verraten. Oder dass man aufgrund einer gegensätzlichen politischen Meinung verhaftet und auf unwürdige Weise behandelt und eingesperrt wird.

Uns sollte bewusst sein, wie gut wir es jetzt haben. Eine Demokratie, in der wir frei unsere Meinung äußern dürfen und wählen können – das ist viel wert.

E 08/1

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