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Vom Brückenkloster zur Röbling-Schule
Geschichte des Schulstandortes Brückenstraße
1349 Kaiser Karl IV verlieh der Stadt Mühlhausen das Privileg Schulen zu bauen
1520 forderte Luther die Einrichtung von Mädchenschulen, in denen Katechismus, Erzählung biblischer Geschichten, Lesen, Schreiben und Kirchengesang unterrichtet wird.
1542 wurden dann die Jungfrauen des Brückenklosters vom Rat auf Grund der Kirchen- und Schulordnung angehalten, die Töchter der Bürger täglich 2 Stunden am Vor- und 2 Stunden am Nachmittag im Schreiben, Lesen, Katechismus und in feiner christlichen Zucht zu unterweisen.
Schulgebäude Brückenstraße 31
1565 gründete Superintendent Tilesius, der eigentliche Reformator der Stadt Mühlhausen ,die Mädchenschule. Er veranlasste den Rat die Schule im leerstehenden Gebäude des Brückenklosters unterzubringen .
1578 wurde jene Schule somit eingerichtet. Das erste Schulgebäude befand sich direkt neben der Kirche.
Katharina Vintzenhahn war die erste Lehrerin, die zwar zeitweilig der Schule verwiesen wurde, aber dann 1578 zurückkehrte. Bis 1664 unterrichte Martha Langenickel an der Schule. Sie war 30 Jahre Schuldienerin im Brückenhof und bittet ihres Alters wegen um ihren Abschied und um ein Zeugnis. "Ich Bitte Euch Noch Nötig, meine Liebe Obrigkeit Woll Dir Noch ein Zeugnis meines Verhaltens Erteilen, Daß Nicht etwa Mir Möchte Nachgesagt werden, ich Were Mitt Schimpf Oder Mitt Schanden Davon gestoßen Worden."
1689 Beim großen Stadtbrand erlag jedoch das Gebäude in der Brückenstr. 31 den Flammen beim großen Stadtbrand . Die Mädchenschule bestand trotzdem weiter.
1694 wurde das Gebäude dann wieder errichtet. Ab 1725 durften auch männliche Lehrmeister Unterricht geben es eine Neuerung an. Es sollte ein männlicher Schulmeister eingestellt werden, das Konsistorium lehnte dieses Vorhaben zunächst ab, da mit der Einstellung männlicher Lehrkräfte für die weibliche Jugend schwere Gefahren erwachsen könnten. Der Rat beharrte aber darauf : "... mit den präsentierten Weibern getraue man nicht auszukommen, sodass künftighin der Mädgen-Schule christliche Mannespersonen zu Lehrmeistern zu geben seien." und so wurden 1726 Förster und Döring Schulmeister.
Das Gehalt bestand aus 20 Reichstalern, 3 Malter Korn, 4 Schock Holz, halb Hart-, halb Wellenholz. Damit mussten sie sich begnügen, solange die alte Schulmeisterin noch lebt. 1727 führte eine Beschwerde der beiden Lehrer zur Gehaltserhöhung um 5 Reichstaler und ein Malt.
Der Zustand der Schule um 1730 wird wie folgt beschrieben:
"Es sei Gewohnheit geworden, dass wenn ein Schulmeister ihrer Meinung nach ( die Meinung der Schülerinnen ) nur sauer angesehen, die Mädchen nicht allein vor sich selbst zu einem anderen gelaufen, sondern sogar andere mitgenommen und gesagt, sie wollen von diesem Schulmeister weglaufen, der wäre so hart, sie wollten zu jenem gehen, der ließe ihnen ihren Willen."( Klett, S.8 )
Es ist also kein Wunder, dass 1731 das Konsistorium die Mädchenschule in Augenschein nahm und feststellte, dass die Jugend ganz verwildert sei. Daraufhin machte das Konsistorium folgende Vorschläge:
1. Das gemeinsame Klassenzimmer zu teilen.
2. Die Einrichtung von zwei aufsteigenden Klassen, ein Schulmeister in der untersten,
der andere in der obersten Klasse.
3. In jeder Klasse sollten zwei Tische oder Tafeln sein, eine für die Anfänger und eine
für die Mädchen, die bereits lesen konnten.
4. Der Schulmeister entscheidet über die Versetzung.
5. Der Superintendent und der Schulinspektor nimmt nehmen die Versetzung vor.
6. Die Eltern stellen ihre Töchter beim Superintendenten vor, dieser prüft das Kind und
weist ihm seinen Platz zu.
7. Die an der erbarmungswürdigen Lehrweise schuldige alte Schulmeisterin, weil sie
sich das Direktorium über die Schulmeister angemaßt hat, soll in den Ruhestand
versetzt werden.
Der Unterricht wird dann eingeteilt in:
Unterklasse: Die Buchstaben des Alphabets werden an die Tafel geschrieben
Mittelklasse: Biblische Historien werden gelesen und erzählt
Obere Klasse: Rechenkunst so viel, um zu begreifen als künftige Haus-Mutter
den Haushalt zu führen
1762 ist die Mädgen-Schule so verfallen, dass viele Eltern ihre Töchter lieber in Privatschulen schickten. Es wird kritisiert, dass der Respekt und die Autorität der männlichen Lehrkräfte sinkt, zumal die Lehrer alt und verdrüßlich werden und die Kinder mit unnützen Nebendingen amüsiert und sie dadurch von den Hauptgeschäften abgehalten werden.
Dass man den Kindern auch noch gestattet Essen und Trinken mitzubringen, die Zeit dadurch zu verderben und mit den übrigen Brotsamen ihren Lehrern ein Präsent macht.
Ab 1789 unterrichtete der Lehrer Reinhardt in der Mädchenschule im Brückenhof bis zu seinem Ruhestand etwa 3000 Kinder .
"Aus den zarten Mädchen sollte eine verständige und gute Magd, Kinder-und Krankenwärterin, Hausfrau und Mutter werden."
1797 wird er Oberlehrer und führt eine öffentliche Prüfung ein.
Ab 1820 bekommt Reinhardt einen Hilfslehrer, Herrn Carl Franke an seine Seite, der seine jüngste Tochter heiratete.
1828 gibt er für die Mädchen das Buch: "Mädchenspiegel" selbst heraus.
1832 geht Reinhardt in den Ruhestand
Schulgebäude Meißnersgasse
1829 wurde der Grundstein zur Errichtung einer neuen Mädchenschule im Brückenhofe gelegt. (Gebäude Meißnersgasse) und wird am 18.06.1830 gerichtet.
Das Schulhaus sollte so eingerichtet werden, dass 5 Klassen darin untergebracht werden können.
Im Erdgeschoss waren 4 Schulzimmer mit einer Größe von 18-28 Fuß x 30 Fuß und ein Zimmer von 28 x 30 Fuß vorgesehen. Des Weiteren gab es eine Lehrerwohnung mit 2 Wohnzimmern, 2 Kammern und 1 Küche.
5479 Taler, 18 Groschen und 9 Pfennige kostete der Bau. An dem fertig gestellten Gebäude war zwar einiges zu bemängeln, dies schien aber nicht von Bedeutung zu sein. Nur die ungeraden Decken hätten vermieden werden müssen.
1832 wurde die neue Mädgenschule durch Rektor Gottfried Adolph Schreiber eingeweiht, die für alle Stände offen war.
Über dem Eingang der Meißnersgasse und dem Eingang im Brückenklosterhof war die Aufschrift Mädchen-Schule in vergoldeten Buchstaben auf gusseiserner Platte angebracht.
Schreiber bekommt ein Gehalt von 460 Talern, die freie Dienstwohnung und die Herd-und Stubenfeuerung zur Verfügung gestellt.
1. Hauptlehrer: Karl Schulze
2. Hauptlehrer: Carl Franke
3. Hauptlehrer. Kantor August Christian Schmidt
4. Hauptlehrer: Georg Gottfried Höpel
Handarbeitslehrerin: Demoiselle Emilie Esche
Das Schulgeld wurde entsprechend der Klassenstufe gestaffelt in 3 ,4, 6, 8 und 10 Taler.
Die Einweihung der Mädchenschule wurde wie folgt kommentiert: "Glückliches Zeitalter, in welchem die Strafanstalten und Zuchthäuser durch bessere Bildung und Erziehung der Jugend immer mehr verdrängt werden".
1841 wurde J. Gottfried Herrmann neuer Rektor der Mädchenschule.
Mädchen - Mittelschule
1897 reichte der Platz der Mädchenschule wieder nicht aus und so entstand ein weiterer Bau auf dem Brückenhofe.
Am 17.Oktober 1899 wurde dann das Hauptgebäude an der Meißnersgasse feierlich eingeweiht und bezogen.
1923-1927 vereinigte man die Mädchenmittelschule mit der Knabenmittelschule aus Ersparnisgründen. Gemeinsam werden sie im Gebäude An der Burg 19 untergebracht.
Doch die Mädchenmittelschule siedelte später wieder zurück in den Brückenhof.
Schwere Zeiten musste die Schule überstehen, ehe sie am 1.10.1945 den Schulbetrieb wieder aufnehmen konnte.
Laienlehrkräfte unterrichteten in den einzelnen Schulen.
Ab 1.9.1948 wurden 13 Klassen der Nikolaischule in der Mädchen-Mittelschule in der Brückenstraße unterrichtet. Und zwar alle Schüler der 5.-8.Klasse, da das Schulgebäude über eine Aula, einen Physikraum und eine Turnhalle verfügte.
Es gab:
4 5.Klassen mit insgesamt: 176 Schülern ( 43,45,43,45 )
3 6.Klassen mit insgesamt: 155 Schülern ( 52,51,52)
3 7.Klassen mit insgesamt: 123 Schülern (42,39,42)
3 8.Klassen mit insgesamt: 110 Schülern ( 40,40,30)
Der Schulteil nannte sich dann Nikolaischule II.
Auch Erika Grabe ( Riemann ) besuchte als 14-jährige 1945/1946 die Schule und malte aus Übermut, als sie das neue Schulgebäude betrat, mit Lippenstift Stalin eine rote Schleife an seinen Bart. Dieser Streich brachte ihr 8 Jahre Gefängnis ein.
Seit 1959 nannte sich die Schule Polytechnische Oberschule VII, Johannes R. Becher. Dort wurde in den Klassenstufen 1-10 unterrichtet.
1961 wurden die ersten 10.Klassen abgeschlossen.
1991 wurde aus der POS die Grundschule Johann-August-Röbling.
Sie beherbergte die Klassen 1-4, die im Jahre 2001 geschlossen wurde.
Damit zieht zum Schuljahr 2003/2004 die Abteilung Gesundheit der Staatlichen Berufsbildenden Schule für Gesundheit und Soziales in das umfangreich sanierte Gebäude ein.
Bereits im Jahr 2002 hat die gesamte Schule den Namen Johann-August-Röbling verliehen bekommen.
Gymnasium und Knabenbürgerschule
1837 wurden die alten Klostergebäude abgetragen.
1838 begann der Bau des neuen Gebäudes und ebenso wie das Rathaus wird es auf unvergänglichen Tuffsteinbögen über der Schwemmnotte stehen. Das Gebäude sollte ohne Etagenverschwendung schön und zweckmäßig sein. Für das Gymnasium wurden 5 Lehrzimmer für 30-50 Schüler, für die Bürgerschule wurden 6 Lehrzimmer für 60 -80 Schüler sowie ein Reservezimmer geplant.
Ebenso waren zwei Räume für die Bibliothek und den mathematisch-physikalischen Apparat und ein Saal für Feierlichkeiten gefordert. Alle Räume sollten in zwei Etagen mit vier großen Fluren ohne den kostspieligen und schädlichen Dachausbau und ohne dunkle Winkel untergebracht werden.
1841 wurde das Gymnasium und die Knabenbürgerschule eingeweiht.
Die Anstalt solle eine "gute, tüchtige deutsche Bürgerschule , auf den oberen Stufen genügender Unterricht in den Naturwissenschaften in Mathematik, Mechanik und Technologie und in der französischen Sprache sein".
Inschrift: Bürgerschule:
"Die neue Sonne, die wir heute schauen, sie leuchtet auch dem Werke, das wir bauen"
Inschrift: Gymnasium:
"Qui novus optatus radius sol omnia lustrat, Proptius nobis hoc quoque lustret opus."
(Einweihungsrede, S.69)
Am 14.04. 1848 wurde in demselben Gebäude die Gewerbliche Fortbildungsschule unter Leitung des Rektors Dr.Otto eröffnet.
Sonntags wurde von 19.00 - 22.00 Uhr unterrichtet,
montags und mittwochs von 19.00 - 21.00 Uhr.
Das Schulgeld betrug für die
Unterklasse: 5 Silbergroschen
Mittelklasse. 7,5 Silbergroschen
Oberklasse: 10 Silbergroschen
Die Gewerbliche Fortbildungsschule stand ursprünglich nur für Schüler offen, die die Knabenbürgerschule besucht hatten.
1853/54 wurde Englisch im Lehrplan aufgenommen.
1881 fand die feierliche Eröffnung der Fortbildungsschule für junge Kaufleute statt.
1925 zieht die Knabenbürgerschule in ein neues Schulgebäude An der Burg 19 (Tilesius Gymnasium). Ebenso wurde das Gebäude um zwei Stockwerke erweitert.
Seit 1929 erfolgt die Ausbildung der kaufmännischen Berufe.
1946 wurde die Berufschule in eine gewerbliche und eine kaufmännische Abteilung eingeteilt und trägt seit 1949 den Namen Walter Schunk.
1990 übernahm die Kommune die Trägerschaft der Schule unter Leitung des Direktors Herrn Peter Weinschütz.
1997 erhalten die Beruflichen Schulen des Unstrut-Hainich -Kreises einen neuen Schulkomplex in Görmar.
In das Gebäude in der Brückenstr. und in die ehemalige Mädchenschule in der Meissnersgasse zieht die Abteilung Soziales der Staatlichen Berufsbildenden Schule für Gesundheit und Soziales.
Quellenangabe
Dr.Altenburg, Chronik der Stadt Mühlhausen 1824, Reprint Verlag Rockstuhl Bad Langensalza 1999
Ein Gedenktag in der Geschichte der Mädchen-Mittelschule, 100 Jahre Mädchenschulgebäude an der Meißnersgasse, MA, 07.05.1932, nr.106/62/41
Hintzler, Karl: Festschrift zur 50-Jahrfeier des Städtischen Lyzeums zu Mühlhausen, Mühlhausen/ Thür 1925
Hohlbein, Alfred: Überblick über die Entwicklung des Berufsschulwesen in Mühlhausen, Diplomarbeit 1965
Hübner, Christian, Wilhelm, Mühlhäuser Schulchronik der Mühlhäuser Stadtschulen dargeboten bei Gelegenheit der feierlichen Einweihung des neuen Gymnasial-und Bürgerschulgebäudes am 15.10.1841, Stadtarchiv Mühlhausen 84/2634
Klett,B., Mühlhäuser Anzeiger/ Mühlhäuser Heimatblätter v.21.06.1926)
Klett,Bernhard, Die Mägdlein-Schule zu Mühlhausen in Thüringen bis zum Jahre 1802, Verlag der Thüringer Monatshefte 1932
Prof. Jordan , Beiträge zur Geschichte der Mädchenschule in Mühlhausen. Aus alter zeit.1897 Nr.3-7
Reinhardt, Justus Gottfried Zur Geschichte des Mühlhäuser Schulwesens am Ende des 18.Jhr. in: Mühlhäuser Geschichtsblätter 1912/13,S.138 ff
Schreiber, Gottfried-Adolf:Ausführliche Beschreibung der Einweihung und Eröffnung der neuen Mädchenschule zu Mühlhausen, Mühlhausen 1832
Thomasczek, Lotte: Zur Geschichte des Mühlhäuser Schulwesens am Ende des 18.Jhr. in: Mühlhäuser Geschichtsblätter. 13.1912/13,S.138 ff.
verfasst von Heike Fritzlar



